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Kreisel: Es steht fest, daß Schalke 04 bis zum Ende der Transferzeit
im Dezember
einen oder gar zwei neue Spieler holen wird. Wie werden diese Neuerwerbungen fi-
nanziert? Durch die zusätzlichen Einnahmen im DFB-Pokal oder durch die Hoffung,
daß sich der Zuschauerschnitt erhöhen wird?
Assauer: Nichts dergleichen. Wir werden keinen Spieler kaufen, sondern nur aus-
leihen. Die zusätzlichen Gehälter sind schon in der Kalkulation für
diese Saison ent-
halten, da wir bisher weniger Spieler unter Vertrag haben, als zum Saisonbeginn ge-
plant war. Außerdem sparen wir derzeit noch das Gehalt von Manni Drexler der
von
der Krankenversicherung bezahlt wird.
KreiseI: Was sagen Sie zum ,,Fall Nigbur"? (Zur Erinerung für unsere
Leser: Norbert
Nigbur wurde zu seiner Schalker Zeit mit einer Geldstrafe belegt, weil er bei einem
raining am Sonntagmorgen unentschuldigt gefehlt hatte. Diese Vertragsstrafe sieht das
DFB-Statut in den Lizenzspielerverträgen vor. Der ehemalige Schalker Torwart klagte
dagegen und bekam vor dem Arbeitsgericht Gelsenkirchen und dem Landesarbeitsge-
richt recht. Das Gericht argumentierte, daß solche Strafen mit dem Betriebsrat
verein-
bart werden müßten. Schalke wiederum legte dagegen Einspruch ein und ist
vor das.
Bundesarbeitsgericht gezogen. Betriebsrat für Fußballspieler nicht reaIistisch"
Assauer: Das wird eine Grundsatz-Entscheidung für den Profifußball.
Wir haben in
diesem Fall die Rückendeckung durch den DFB und die Bundesligavereine. Denn sollten
wir in letzter Instanz abgeschmettert werden, dann muß der DFB neue Verträge
ausar-
beiten. Die Einführung eines Betriebsrates für den Lizenzspielerkader bringt
große Pro-
bleme für beide Seiten mit sich, wobei wahrscheinlich die Spieler größere
Nachteile haben
werden als die Vereine. Ein Fußballverein ist doch in dem Sinne kein mittelständiges
Unternehmen mit Tarifverträgen. Man stelle sich einmal vor, bei Transfers müßte
der Be-
triebsrat gefragt werden. Und der Spieler, der transferiert werden soll und im Betriebsrat
sitzt, sagt nein dazu?
Kreisel: Was macht die Winterpause? Sie sind ja ein eifriger Verfechter davon.
Assauer: Sie muß kommen, und sie wird kommen. Nach und nach wird die Spielpause
im
Winter immer länger. Das ist ein Weg der kleinen Schritte. In dieser Saison ruht
der
Meisterschafts-Spielbetrieb schon fast zwei Monate, nämlich vom 8. Dezember bis
2. Fe-
bruar, unser Nachholspiel am 26. Januar in Mannheim einmal ausgenommen. Meiner An-
sicht nach muß die Winterpause von Mitte Dezember bis Ende Februar gehen
Kreisel: Immer wieder wird von den sogenannten großen Vereinen die Reduzierung
der
Bundesliga ins Gespräch gebracht. Auch Team-Chef Franz Beckenbauer plädierte
für eine
Reduzierung, um für seine Nationalmannschaft mehr Zeit zu bekommen. Wie denken
Sie
und der Vorstand darüber?
Assauer: 18 Vereine sollen bleiben. Das ist die beste Lösung. Das schlechtbesuchteste
Meisterschaftsspiel bringt immer noch dreimal so viele Zuschauer wie Freundschaftsspiele
gegen gute Gegner. Dieser Markt ist abgegrast. Das hat die Erfahrung gezeigt. Unsere
An-
sicht ist auch wirtschaftlich zu belegen. Als der DFB eine Umfrage bei den Bundesligaver-
einen machte, ob die Liga reduziert werden solle, haben wir - wahrscheinlich als einer
der
wenigen Vereine - ganz konkrete Angaben für unseren Standpunkt machen können.
Kreisel: Wie sieht's mit der Nachwuchsarbeit beim FC Schalke 04 aus?
Assauer: Obwohl wir im letzten Jahr mit Olaf Thon und Michael Skibbe zwei Jugendliche
in den Lizenzspielerkader übernommen haben, wurde ein wenig geschludert. Wir haben
ein
neues Konzept erarbeitet und werden schon jetzt die Weichen für die nächste
Saison stellen.
Dazu zählt unter anderem, Jugendliche aus unserem Einzugsgebiet nach Schalke zu
holen.
Einmal im Monat treffe ch mich mit den Trainern der Leistungsmannschaften, mit Jugend-
leiter Alois Karnik, mit Amateur Trainer Klaus Fichtel, sowie Willi Koslowski als ,,ZbV-Mann"
und Herbert Burdenski, die Talente sichten und kontaktgespräche führen sollen.
Die Al-Ju-
nioren haben die Erwartungen nicht erfüllt. Die Nummer eins bei uns sind die B
1 -Junioren
als Tabellenzweiter in der Westfalenliga. Bei ihrem Spielerpotential kommt bestimmt
etwas
für später heraus. Bei unseren Amateuren hat Klaus Fichtel gute Arbeit geleistet.
Sie haben
durchaus die Chance, in die Verbandsliga aufzusteigen. Mittelfristig müssen unsere
Ama-
teure in die Oberliga, die höchste Klasse, aufsteigen. Dort sollen sie den Unterbau
für die
Bundesligamannschaft bilden. Dort können sich die aus der Jugend kommenden künf-
tigen Profis bewähren.
Kreisel: Wie kam es, daß Klaus Fichtel nach Beendigung seiner Laufbahn
als Amteur-
und Assistenz-Trainer nach Schalke zurückkehrte?
Assauer: Es kam da vieles zusammen. Klaus Fichtel war mein alter Spezi aus Bremer
Zeiten. Außerdem hatte er noch eine starke Bindung an Schalke 04. Also kam er
fast
zwangsläufig zu uns Ich halte ihn für einen untadeligen Sportsmann und Fachmann,
der
sehr viel vom Fußball vermitteln kann. übrigens bekommt Klaus Fichtel im
nächsten Jahr
ein Abschiedsspiel.
Kreisel: Sie besitzen noch einen Spielerpaß. Und hin und wieder jagen
Sie so noch dem
Ball in der ersten Mannschaft nach, natürlich nur in Freundschaftsspielen. Wie
ist das mit
der Lizenz?
Assauer: Ich habe einen Spielerpaß mit einem Sonderstatus für Meisterschaftsund
Freund-
schaftsspiele in der Bundesligamannschaft von Schalke 04. Wegen dieses Sonderstatus
muß ich mich alle zwei Jahre ärztlich untersuchen lassen und die körperliche
Tauglichkeit
nachweisen. Das ganze geschieht aber mehr aus Jux und Dollerei. Es ist ein Gag, wenn
wir
auf dem Lande Freundschaftsspiele austragen und ich eine Halbzeit mitspiele. In unserer
Bundesligamannschaft würde ich selbst im äußersten Notfall nicht spielen.
Die Bundesliga
ist schließlich kein Kasperletheater.
Kreisel: Gibt es - ähnlich wie ein Treffen der Bundesliga-Präsidenten
- auch einen Arbeits-
kreis der Bundesliga-Manager?
Assauer: Ja. Zweimal im Jahr treffen sich die hauptamtlichen Angestellten, das
heißt von
Managern und Geschäftsführem. Franz Beckenbauer ist seit seinem Engagement
als Team-
chef der Nationalmannschaft auch dabei. Neben der Diskussion sportlich aktueller Fragen
besprechen wir vor Beginn der Saison den zeitlichen Ablauf des Bundesliga-Spielplans
und bringen vorher die Wünsche der einzelnen Vereine unter einen Hut, ehe Staffelleiter
Schmaul anfängt, die Paarungen festzulegen.
Kreisel: Günter Netzer scheidet bald beim HSV als Manager aus und macht
dann etwas
ganz anderes, was mit dem Fußball nichts zu tun hat. Was würden Sie machen,
wenn Sie
eines Tages den Posten eines Bundesliga-Managers aufgeben würden oder müßten?
Assauer: Das kann ich nicht beantworten weil ich mir darüber noch keine
Gedanken ge-
macht habe. Meine jetzige Arbeit macht mir unheimlich Spaß. Als gelernter Bankkaufmann
würde ich - so glaube ich jedenfalls - auch außerhalb des Metiers Fußball
einen passenden
Beruf finden. |