Schalker Kreisel zum Bundesligaspiel gegen Eintrach Frankfurt am 24. November 1984

Der Aufmacher im damaligen Kreisel mit der Überschrift: Spielerberater kommen mir nicht ins Haus

Kreisel: Man las in letzter Zeit häufig nichts
Gutes über die Berater der Lizenzspieler
und über die finanziellen Praktiken.
Kreisel: Was halten Sie von diesen Be-
ratern?
Assauer: Ich bin ein absoluter Gegner
dieser Spielerberater. Bei mir kommt
keiner dieser Leute herein. Wir verpflichten
keine Spieler, die mit einem Berater an-
marschiert kommen, und wir würden auch
keinen Vertrag mit einem Spieler, der
einen solchen Mann als ,,Geschäfts-
partner hat, verlängern.
Kreisel: Wer berät denn die Spieler?
Assauer: Das ist unsere oder meine Auf-
gabe. Dafür bin ich unter anderem auch um
die Spieler.nicht nur in sportlicher Hinsicht,
sondern auch in Steuer-, Finanz-und Ver-
mögensfragen zu beraten.
Kreisel: Sie als Manager von Schalke 04
vertreten doch aber in erster Linie die Inte-
ressen des Vereins. Können Sie da zum
Beispiel bei: Vertragsverhandlungen und Ab-
schlüssen gleichzeitig auch die Spieler in
ihrem Sinne beraten?
Assauer: Bei uns gibt es in dem Sinne keine
Vertragsverhandlungen. Wir legen die Ver-
träge fest und machen ordentliche Angebote,
zu denen die Spieler dann oder nein sagen
können. Wir wollen die Spieler nicht übers
Ohr hauen, und gleichzeitig lassen wir uns
nicht auf Verträge ein, die aus-chließlich den
Spielern Vorteile bringen.
Kreisel: In welcher Form werden die Spieler-
verträge abgeschlossen?
Assauer: Unsere Spieler haben kombinierte
leistungs- und zuschauerbezogene Verträge.


War er damals nicht schniecke.........und jung?

Kreisel: Es steht fest, daß Schalke 04 bis zum Ende der Transferzeit im Dezember
einen oder gar zwei neue Spieler holen wird. Wie werden diese Neuerwerbungen fi-
nanziert? Durch die zusätzlichen Einnahmen im DFB-Pokal oder durch die Hoffung,
daß sich der Zuschauerschnitt erhöhen wird?
Assauer: Nichts dergleichen. Wir werden keinen Spieler kaufen, sondern nur aus-
leihen. Die zusätzlichen Gehälter sind schon in der Kalkulation für diese Saison ent-
halten, da wir bisher weniger Spieler unter Vertrag haben, als zum Saisonbeginn ge-
plant war. Außerdem sparen wir derzeit noch das Gehalt von Manni Drexler der von
der Krankenversicherung bezahlt wird.
KreiseI: Was sagen Sie zum ,,Fall Nigbur"? (Zur Erinerung für unsere Leser: Norbert
Nigbur wurde zu seiner Schalker Zeit mit einer Geldstrafe belegt, weil er bei einem
raining am Sonntagmorgen unentschuldigt gefehlt hatte. Diese Vertragsstrafe sieht das
DFB-Statut in den Lizenzspielerverträgen vor. Der ehemalige Schalker Torwart klagte
dagegen und bekam vor dem Arbeitsgericht Gelsenkirchen und dem Landesarbeitsge-
richt recht. Das Gericht argumentierte, daß solche Strafen mit dem Betriebsrat verein-
bart werden müßten. Schalke wiederum legte dagegen Einspruch ein und ist vor das.
Bundesarbeitsgericht gezogen. Betriebsrat für Fußballspieler nicht reaIistisch"
Assauer: Das wird eine Grundsatz-Entscheidung für den Profifußball. Wir haben in
diesem Fall die Rückendeckung durch den DFB und die Bundesligavereine. Denn sollten
wir in letzter Instanz abgeschmettert werden, dann muß der DFB neue Verträge ausar-
beiten. Die Einführung eines Betriebsrates für den Lizenzspielerkader bringt große Pro-
bleme für beide Seiten mit sich, wobei wahrscheinlich die Spieler größere Nachteile haben
werden als die Vereine. Ein Fußballverein ist doch in dem Sinne kein mittelständiges
Unternehmen mit Tarifverträgen. Man stelle sich einmal vor, bei Transfers müßte der Be-
triebsrat gefragt werden. Und der Spieler, der transferiert werden soll und im Betriebsrat
sitzt, sagt nein dazu?
Kreisel: Was macht die Winterpause? Sie sind ja ein eifriger Verfechter davon.
Assauer: Sie muß kommen, und sie wird kommen. Nach und nach wird die Spielpause im
Winter immer länger. Das ist ein Weg der kleinen Schritte. In dieser Saison ruht der
Meisterschafts-Spielbetrieb schon fast zwei Monate, nämlich vom 8. Dezember bis 2. Fe-
bruar, unser Nachholspiel am 26. Januar in Mannheim einmal ausgenommen. Meiner An-
sicht nach muß die Winterpause von Mitte Dezember bis Ende Februar gehen
Kreisel: Immer wieder wird von den sogenannten großen Vereinen die Reduzierung der
Bundesliga ins Gespräch gebracht. Auch Team-Chef Franz Beckenbauer plädierte für eine
Reduzierung, um für seine Nationalmannschaft mehr Zeit zu bekommen. Wie denken Sie
und der Vorstand darüber?
Assauer: 18 Vereine sollen bleiben. Das ist die beste Lösung. Das schlechtbesuchteste
Meisterschaftsspiel bringt immer noch dreimal so viele Zuschauer wie Freundschaftsspiele
gegen gute Gegner. Dieser Markt ist abgegrast. Das hat die Erfahrung gezeigt. Unsere An-
sicht ist auch wirtschaftlich zu belegen. Als der DFB eine Umfrage bei den Bundesligaver-
einen machte, ob die Liga reduziert werden solle, haben wir - wahrscheinlich als einer der
wenigen Vereine - ganz konkrete Angaben für unseren Standpunkt machen können.
Kreisel: Wie sieht's mit der Nachwuchsarbeit beim FC Schalke 04 aus?
Assauer: Obwohl wir im letzten Jahr mit Olaf Thon und Michael Skibbe zwei Jugendliche
in den Lizenzspielerkader übernommen haben, wurde ein wenig geschludert. Wir haben ein
neues Konzept erarbeitet und werden schon jetzt die Weichen für die nächste Saison stellen.
Dazu zählt unter anderem, Jugendliche aus unserem Einzugsgebiet nach Schalke zu holen.
Einmal im Monat treffe ch mich mit den Trainern der Leistungsmannschaften, mit Jugend-
leiter Alois Karnik, mit Amateur Trainer Klaus Fichtel, sowie Willi Koslowski als ,,ZbV-Mann"
und Herbert Burdenski, die Talente sichten und kontaktgespräche führen sollen. Die Al-Ju-
nioren haben die Erwartungen nicht erfüllt. Die Nummer eins bei uns sind die B 1 -Junioren
als Tabellenzweiter in der Westfalenliga. Bei ihrem Spielerpotential kommt bestimmt etwas
für später heraus. Bei unseren Amateuren hat Klaus Fichtel gute Arbeit geleistet. Sie haben
durchaus die Chance, in die Verbandsliga aufzusteigen. Mittelfristig müssen unsere Ama-
teure in die Oberliga, die höchste Klasse, aufsteigen. Dort sollen sie den Unterbau für die
Bundesligamannschaft bilden. Dort können sich die aus der Jugend kommenden künf-
tigen Profis bewähren.
Kreisel: Wie kam es, daß Klaus Fichtel nach Beendigung seiner Laufbahn als Amteur-
und Assistenz-Trainer nach Schalke zurückkehrte?
Assauer: Es kam da vieles zusammen. Klaus Fichtel war mein alter Spezi aus Bremer
Zeiten. Außerdem hatte er noch eine starke Bindung an Schalke 04. Also kam er fast
zwangsläufig zu uns Ich halte ihn für einen untadeligen Sportsmann und Fachmann, der
sehr viel vom Fußball vermitteln kann. übrigens bekommt Klaus Fichtel im nächsten Jahr
ein Abschiedsspiel.
Kreisel: Sie besitzen noch einen Spielerpaß. Und hin und wieder jagen Sie so noch dem
Ball in der ersten Mannschaft nach, natürlich nur in Freundschaftsspielen. Wie ist das mit
der Lizenz?
Assauer: Ich habe einen Spielerpaß mit einem Sonderstatus für Meisterschaftsund Freund-
schaftsspiele in der Bundesligamannschaft von Schalke 04. Wegen dieses Sonderstatus
muß ich mich alle zwei Jahre ärztlich untersuchen lassen und die körperliche Tauglichkeit
nachweisen. Das ganze geschieht aber mehr aus Jux und Dollerei. Es ist ein Gag, wenn wir
auf dem Lande Freundschaftsspiele austragen und ich eine Halbzeit mitspiele. In unserer
Bundesligamannschaft würde ich selbst im äußersten Notfall nicht spielen. Die Bundesliga
ist schließlich kein Kasperletheater.
Kreisel: Gibt es - ähnlich wie ein Treffen der Bundesliga-Präsidenten - auch einen Arbeits-
kreis der Bundesliga-Manager?
Assauer: Ja. Zweimal im Jahr treffen sich die hauptamtlichen Angestellten, das heißt von
Managern und Geschäftsführem. Franz Beckenbauer ist seit seinem Engagement als Team-
chef der Nationalmannschaft auch dabei. Neben der Diskussion sportlich aktueller Fragen
besprechen wir vor Beginn der Saison den zeitlichen Ablauf des Bundesliga-Spielplans
und bringen vorher die Wünsche der einzelnen Vereine unter einen Hut, ehe Staffelleiter
Schmaul anfängt, die Paarungen festzulegen.
Kreisel: Günter Netzer scheidet bald beim HSV als Manager aus und macht dann etwas
ganz anderes, was mit dem Fußball nichts zu tun hat. Was würden Sie machen, wenn Sie
eines Tages den Posten eines Bundesliga-Managers aufgeben würden oder müßten?
Assauer: Das kann ich nicht beantworten weil ich mir darüber noch keine Gedanken ge-
macht habe. Meine jetzige Arbeit macht mir unheimlich Spaß. Als gelernter Bankkaufmann
würde ich - so glaube ich jedenfalls - auch außerhalb des Metiers Fußball einen passenden
Beruf finden.