Schalker Kreisel zum Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt 13. Juni 1987

Das Thema im Juni 1987 (Original Artikel aus dem Kreisel, man achte auf die Namen)

Weiter Bundesliga-Fußball in Schalke - Mit Thon und Toni in einem Team

Jetzt hat es Schalke 04 amtlich, und die Schufterei der letzten Monate hat sich gelohnt: Unser Klub hat im zweiten Anlauf die Lizenz für die Bundesliga bekommen. Und mit den Auflagen, die der DUB als Bedingung knüpfte, läßt es sich leben. Günter Siebert: ,,Es ist klar, daß wir uns nicht erneut verschulden dürfen und daß wir bei Neuverpflichtungen keinen großen Spielraum haben. Aber wenn alle Gelder geflossen sind, haben wir nur noch langfristige Schulden von 3,8 Millionen Mark. Und damit sehen wir vielleicht sogar besser aus als manch anderer Verein." Manager Rolf Rüssmann. der in den letzten Monaten mit Günter Siebert fast ..Tag und Nacht" gearbeitet hat. um den Verein durch Verkäufe zu entschulden und gleichzeitig eine neue Mannschaft aufzubauen. verfällt keineswegs in Euphorie: ..Die Existenz des Vereins ist damit zwar gesichert, aber die Probleme sind noch nicht alle vom Tisch. Der Preis für die Lizenz war eine Schwächung der Mannschaft."

Da Schalke 04 die Abgänge von Klaus Täuber. Gerd Kleppinger, Dietmar Roth und Jürgen Wegmann bislang nur mit Amateurspielern ausgeglichen hat, bleibt als einzige spektakuläre Neuverpflichtung Harald .,Toni" Schumacher, dessen endgültiger Transfer zum FC Schalke 04 bei Redaktionsschluß zwar noch nicht vorlag, doch gehen alle Beteiligten davon aus, daß der ehemalige Nationaltorwart in der kommenden Saison zwischen den Pfosten des Schalker Tores stehen wird. Ein Indiz dafür ist auch die Reaktion von Walter Junghans, der seinen Vertrag nicht verlängert hat und vielmehr seine Wohnung in Gladbeck bereits gekündigt hat und seinen Umzug nach Pfaffenhofen in Bayern vorbereitet. Walter Junghans hat klipp und klar gesagt: Ich setze mich nicht auf die Reservebank. Wenn Schumacher kommt, gehe ich."

Toni Schumacher wird Schalke 04 keinen Pfennig Ablösesumme kosten und auch nur ein normales Lizenzspielergehalt beziehen. Einerseits hatte er sich beim 1. FC Köln selbst ,,freigekauft", indem er seine vereinbarte Jahresleistungsprämie mit der Ablösesumme verrechnen ließ und den Rest an Köln zahlte. Andererseits finanziert den Rest seine~ Gehaltes ein Sponsor, der Schumachers Popularität zu werblichen Zwecken ausnutzt.

Das letzte Hindernis für Schumacher war ein mögliches Ermittlungsverfahren und eine Sperre durch den DFB-Kontrollausschuß, nachdem der Nationaltorwart in seinem umstrittenen Buch ,,Anpfiff" sich selbst der Einnahme verbotener Mittel bezichtigt und behauptet hatte, daß in der Bundesliga gedopt werde. Deswegen hatte er schon seinen Hut beim 1. FC Köln und in der Nationalmannschaft nehmen müssen. Nachdem aber der DFB in Frankfurt beschlossen hatte, daß Schumacher auch bei einem Wechsel innerhalb der Bundesliga keine Beschränkungen auferlegt werden, war der Weg nach Schalke frei.

Bei der Verpflichtung des 33jährigen besten deutschen Torhüters hielt Rolf Rüssmann mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg: ,,Geschäftliche und sportliche Aspekte geben den Ausschlag". Und Präsident Siebert ergänzt: ,,Mit Toni holen wir etliche Punkte mehr." Auch Trainer Rolf Schafstall steht voll hinter der Verpflichtung: ,,Ich begrüße es ohne Vorbehalt, Schumacher zu holen. Er ist eine Persönlichkeit mit großer internationaler Erfahrung. Er kann eine Leitfigur für die Mannschaft sein und die Jüngeren mitreißen." Ein weiteres Hindernis wurde inzwischen auch aus dem Weg geräumt. Olaf Thon, den Schumacher in seinem Buch beleidigt hatte, gab insofern seinen Widerstand auf, als er sagte: ,,Wenn mein Präsident sagt, daß ich mit Toni spielen muß, dann kann ich daran wohl kaum etwas ändern."

Rüssmann und Siebert wollen ,,Thöni" und ,,Toni" nun unter einen Hut bringen. Siebert: ,,Unter Fußballern muß es doch möglich sein, solche Differenzen zu bereinigen." Rolf Schafstall: ,,In einem Gespräch unter vier Augen müßten die Differerenzen auszuräumen sein". Was auch Schumacher bekräftigte. Er formuliert Verständnis für Olaf Thon, den er in seinem Buch als ,,dumm" bezeichnet hatte (was er inzwischen modifizierte: ,,Dumm, weil Olaf vorzeitig die Weltmeisterschaft in Mexiko verlassen hat"). Schumacher hält den gemeinsamen Erfolg für machbar: ,,Ich glaube, in ein paar Monaten fallen wir uns um den Hals. Wir müssen ja keine Freunde werden, aber wir können zusammen Fußball spielen." Inzwischen hat die Schalker Mannschaft, die in der kommenden Saison das königsblaue Trikot tragen wird, Konturen angenommen. Den Verein verlassen Klaus Täuber (Bayer Leverkusen), Dietmar Roth (Eintr. Frankfurt), Jürgen Wegmann (Bayern München) und Gerd Kleppinger (Bor. Dortmund), deren Verkäufe zur Entschuldung beitrugen. Bernard Dietz, der nach seiner Verletzung nicht mehr sein Ziel realisieren konnte, auf 500 Bundesliga-Einsätze zu kommen (nur fünf Spiele fehlten ihm noch), beendet seine Laufbahn, gibt auch seine Funktion als Trainer der Schalker Al-Junioren auf und wechselt als Trainer zum ASC Schöppingen.

Die Verträge mit den drei Torhütern Walter Junghans, Pavel Macak und dem Italiener GianLuca Pacciarotti' der in Schalke bisher über das Tr4ning nicht hinausgekommen ist, werden nicht verlängert. Ob Junghans letztendlich geht, hängt davon ab, ob Toni Schumacher kommt.

Während der laufenden Saison ausgeschieden sind bereits Ralf Regenbogen (zu RW Essen), Bernd Grabosch (zu Kickers Stuttgart) und Michael Skibbe ,der Sportinvalide wurde und die Bl-Junioren trainiert.

Fraglich ist noch, ob vom alten Stamm Dierßen, Jakobs und Opitz bleiben. Michael Opitz und Michael Jakobs will Schalke behalten und hat ihnen ein entsprechendes Angebot gemacht, das beide aber noch nicht angenommen haben. Bei Bernd Dierßen gibt es ein Tauschgeschäft mit dem Hannoveraner Martin Giesel (25). Während Mittelfeldspieler Giesel gerne in Schalke spielen möchte, wollte Bernd Dierßen in seine Heimat er kommt aus Hannover und spielte vor seinem Wechsel nach Schalke bei ,,96" - zurückkehren, nachdem er zuletzt in Schalke nur noch zweite Wahl war. Zu den Abgängen muß man auch die beiden an andere Vereine ausgeliehenen Berge und Stichler zählen. RW Essen will unbedingt Abwehrspieler Peter Stichler behalten, was letztlich eine Frage der Ablösesumme ist (Schalke 04 verlangt 100 000 DM). Die Zukunft von Klaus Berge (bislang 1. FC Saarbrükken) ist noch ungewiß.

Vom bisherigen Kader bleiben Olaf Thon, Thomas Kruse, Wilfried Hannes, Mathias Schipper, Michael Prus, Wolfgang Patzke, Andre' Bistram und als sogenannte Vertrags-Amateure Carsten Marquardt, Stefan Täuber und Guido Sobiech, der bislang schon bei den Schalker Amateuren im Mittelfeld spielte.

Zum erweiterten Kader stoßen ferner aus der eigenen Jugend Andreas Blaumann, Michael Neumann, Helmut Gabriel und Broll, die Amateure bleiben, aber an Schalke gebunden sind. Dazu Manager Rüssmann: ,,Sie sind ein Wechsel auf die Zukunft. Wir wollen sie nicht laufen lassen, bevor wir nicht wissen, ob sie vielleicht den Durchbruch zum Bundesligaspieler schaffen."

An Neuerwerbungen fest verpflichtet wurden bisher die Stürmer Rainer Edelmann (22, V~ Schwetzingen) und Dieter Götz (22, Spvg. Erkenschwick), die Mittelfeldspieler Manuel Mirbach (22, Traber FC Berlin) und Claus-Dieter Wollitz (19, Spvg. Brackel) sowie die Abwehrspieler Christian Herrmann (20, BFC Preußen Berlin) und Michael Klinkert (18, 1.FC Saarbrücken).

Als zweiter Mann hinter Toni Schumacher soll noch Dieter Heimen , Amateur beim SV Waldhof Mannheim und Jugend-Nationaltorwart, verpflichtet werden. Kein Interesse mehr hat Schalke an Jugend-Nationaltorwart Thomas Feldhoff (18) vom V~ Bochum. Möglicherweise ist inzwischen auch Rainer Tattermusch, Mittelfeldspieler des SV Meppen, der derzeit um den Aufstieg zur 2. Bundesliga spielt, in Schalke ,,vor Anker" gegangen. Ein Ergebnis lag bei Redaktionsschluß ebenso noch nicht vor wie bei den beiden Dänen Alex Nielsen (19) und Bjarne Goldbaek vom Erstligisten Naestvedt bei einem Probetraining hinterließen die beiden einen starken Eindruck, und Schalke will auch beide haben. Doch dürfte ein Kauf an der Ablösesumme von rund 500 000 DM für beide scheitern. Jetzt versucht Schalke, Nielsen und Goldbaek auszuleihen, doch ist Naestvedt nur an einem Verkauf interessiert. Rolf Rüssmann: ,,Es ist noch alles im Fluß. Wir werden nur das machen, was wir auch finanziell verantworten können."